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Brief History of Turbo Architecture, Srdjan Jovanovic Weiss

Turbo Architecture hat sich als Begriff erst kürzlich herausgebildet
und bezeichnet Gebäude einer mutierten Art, die eine Verschmelzung
aus mittelalterlichen Formen (z.B. byzantinisch) mit den Mitteln und den
Anforderungen der zeitgemäßen technologischen Ästhetik
(z.B. High - Tech) ausführt. Er bezeichnet außerdem das riesige
Ausmaß an architektonischer Produktion während der Krise in
Belgrad, analog zum Begriff "turbo" in der Automobilindustrie
- schnellere Autos, aber in bestehenden oder gebrauchten Karosserien,
mit höherem Wert. Außerdem ist Turbo Architecture eine direkte
urbane Entsprechung zum Turbo Folk, einem sehr populären musikalischen
Genre in Serbien in den 90er Jahren. Seine Besonderheit sind die freien
Anleihen aus traditionellen und aktuellen Quellen, was zu einem fortwährenden
Mix aus Technorhythmen und traditionellen Melodien führte. Die Produzenten
von Turbo Folk nutzten die Isolation Serbiens zur Zeit des Krieges zu
ihrem Vorteil. Sie kopierten und luden Musik aus allen nur erdenklichen
Quellen herunter, während Copyright-Gesetze nur außerhalb dieser
Isolation galten. Parallel dazu wurden zu dieser Zeit hunderte und tausende
von Häusern in einem halsbrecherischen Tempo errichtet, noch vor
dem offiziellen Wiederaufbau. Ganze Familien von architektonischen Formen
aller Größen, von Einzelhäusern bis hin zu riesigen Komplexen,
bilden nun einen neue populäre Identität der Stadt - ein besonderer
Zustand, hervorgegangen aus einer politischen Krise gepaart mit einem
raschen Wachstum. Das ist der Fokus dieser Arbeit.
... Wir sehen uns mit einem weiteren Paradoxon
konfrontiert, welches das Wachstum der globalen Bevölkerung betrifft.
Wie baut man für eine kontinuierlich älter werdende Bevölkerung
in Belgrad? Die Statistiken zeigen, dass in manchen Ländern mehr
als ein Drittel der Bevölkerung ein Alter von 50 Jahren überschritten
hat. Dieses Phänomen hängt nicht allein vom Entwicklungsstand
des Landes ab (Italien und Serbien weisen einen ähnlichen Prozentsatz
an älterer Bevölkerung auf) und muss bei den Entscheidungen
in der Architektur für die Zukunft berücksichtigt werden. Es
sind viele Fragen und Anliegen von Bedeutung. Am meisten drängt sich
hierbei das Problem auf, wie die ältere Bevölkerungsschicht,
- die in den Städten, trotz der wachsenden Zahl von berufstätigen,
jungen Menschen die Mehrheit bildet - sich noch als tragender Teil der
Gesellschaft sehen kann. Ein neues Florida? Eine weitere Flut von Pensionären,
die es von Japan nach Brasilien zieht, oder hin zu anderen "Himmeln
auf Erden"? Ein weiterer ghetto-ähnlicher Zustand, wie im alternden
Stadtviertel Chelsea in New York?
"Eyes on the City" ist ein alternatives Konzept für einen
Wohnungskomplex für ältere Menschen, der sich speziell an Belgrads
baby-boomer Generation richtet. Es beachtet den Bedarf an Neuordnungen
und Kontinuität für sich nicht mehr im Arbeitsleben befindende
Menschen in Räumen außerhalb der Arbeitswelt.

Eine kleine Stadt, noch überschattet von einer kaum vergangenen Katastrophe,
nun auf Kurs mit Europa, scheint der perfekte Rahmen für eine solche
Untersuchung in kreativen Konzepten des Alterns zu bieten. Eine entsprechende
Architektur beinhaltet Rampen, Räume, die manchmal offen, manchmal
geschlossen sind, verschiedene Verbindungswege zum Gipfel des Hügels
(auf diese Weise wird die "äußere Landschaft" durch
die "innere Landschaft" des Gebäudes erhalten). Ihre Formwerdung
nimmt es nicht nur mit der Herausforderung der 68er Generation auf, sondern
ist gleichzeitig die Verheißung einer glücklicheren Zukunft,
bis hin zu einer Versöhnung mit der abschreckenden kommunistischen
Vergangenheit, die für Orte wie diesen von großer Bedeutung
ist.
Biografie
Die Normal Group for Architecture ist ein Zusammenschluss der Büros
von Srdjan Jovanovic Weiss und Sabine von Fischer. Sie wurde 1998 gegründet
und ist in New York und Zürich stationiert. Normal Group entwarfen
und realisierten die Umsetzung der Büros von Thread Waxing Space
und Participant Inc., zwei non-profit Kunstgalerien in New York City.
Sie waren außerdem für das preisgekrönte Projekt - the
BLUR - bei dem 2G Wettbewerb für den Ausbau des Mies van der Rohe
Pavillons in Barcelona verantwortlich. Weitere mit Preisen ausgezeichnete
Projekte sind Hotel Normal (Belgrad, 1998); tkts (New York, 1999); Kollektiv
(School extension - Liechtenstein, 2000). Das Büro ist außerdem
in den kulturellen und theoretischen Diskurs involviert - sowohl mit seinen
Installationen (Interactive Normalization iN.02, Belgrad; Manifesta 2002,
Frankfurt; Tirana Biennial, 2003) als auch seine Publikationen (Harvard
Guide to Shopping, City Fragments und Magazin- und Journalbeiträge).
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