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Wall*paperwall.
Die Wand wird im Allgemeinen als ein Hauptelement der Architektur betrachtet.
Sie definiert im wahrsten Sinne des Wortes den architektonischen Raum,
ein Innen als Gegenstück zur Außenwelt. Sie ist stabil, feststehend,
unveränderbar, konstruktiv und unverzichtbar. Die Tapete ist ein
minimales, aber starkes Mittel zur Transformation des Innenraumes. Sie
ist eine dünne Papieroberfläche, dünn wie Haut. Sie ist
ornamental, nicht konstruktiv. Trotzdem sie leicht ausgetauscht werden
kann, macht sie etwas anderes aus dem Innenraum. Etwas, das aus der Außenwelt
kommt. Andere Räume, andere Zeiten. Bilder von anderen. In gewisser
Hinsicht funktioniert Tapete wie ein Fenster. Sie schafft einerseits die
Verbindung zur Außenwelt, ist aber auch das Umgekehrte, da sie der
Wand eine zusätzliche Ebene gibt, die das Innere vom Äußeren
isoliert und so die Gerichtetheit nach Innen verstärkt und Privatsphäre
schafft. In unserem Projekt ist der Innenraum, in dem die Tapete angebracht
wird, die Stadt Berlin selbst.
Wall*paperwall nähert sich dieser komplexen Beziehung zwischen Innen
und Außen, dem Häuslichen und Urbanen, dem Öffentlichen
und Privaten. Als eine Ästhetik der Schnittstelle wird sie an den
Fenstern angebracht, dieser letzten Schwelle nach außen, an der
die Verbindung zwischen Innen und Außen am deutlichsten erfahren
wird. Wall*paperwall ist ein doppelseitiger Eingriff: Es verkleidet die
Innen- und Außenseite des Bikinihauses. Ein naturalistisches grafisches
Muster, inspiriert von den Tapeten der fünfziger Jahre, der Erbauungszeit
des Hauses, wird außen zeigen, was man sonst innen sieht. Ein Muster
aus Texten inspiriert durch Schriftzüge, die in unmittelbarer
Umgebung zu finden sind bringt das Urbane in den Ausstellungsraum.
Die grafischen Muster wachsen über einige der Pfeiler
in der Ausstellungsfläche.
Proust selbst verwies auf die Macht der Tapete, die
es geschafft hatte, mich in das Herz einer Art Mohnblume einzusperren,
aus der man die Welt anders als von Paris aus betrachtet.
(Hapgood, Marilyn Oliver. Wallpaper and the artist: from Dürer to
Warhol)
Biografie
Wall*paperwall ist ein Gemeinschaftsprojekt junger Architekten und Theoretiker
von der Bartlett School of Architecture in London. Sophie Handler (1976),
Evangelia Fotsi (1975) arbeiten an ihrem Master in Architekturtheorie,
Aslihan Senel (1977) und Willem de Bruijn (1975) promovieren in Architekturtheorie,
Ana Araujo (1974) promoviert in Design. In ihrer gemeinschaftlichen Arbeit
wall*paperwall setzen sie sich mit der Grenze und Oberfläche von
Gebäuden und Städten als Mittel der Wahrnehmung und ästhetisches
Erlebnis auseinander.
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