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ErsatzStadt (Vortrag)
(ErsatzStadt, Hermann Hiller, Stephan Lanz, Frankfurt/Oder
in Kooperation mit Coopa Roca, Rio de Janeiro)
www.ersatzmedia.info
teilnehmer

Das Bild der "Europäischen Stadt" blendet aus, dass "Drittweltstädten" zugeordnete Phänomene wie multinationale Zuwanderung, informelle Märkte und andere Armuts-Ökonomien längst in europäischen Städten existieren. Die ErsatzStadt bildet gleichsam das virtuelle Gegenstück der existierenden Europäischen Stadt. Dabei thematisiert sie öffentliche und private Räume zwischen illegaler Landbesetzung, privatisiertem Konzernland und ‚Gated Community' und greift dabei auf Erfahrungen und Lebensweisen in verschiedenen globalen Metropolen zurück. Sie erfindet, verschärft, verdichtet und verschönert städtische Alltagspraktiken und räumliche Aneignungsformen und trägt sie zurück in die real existierende Stadt.

COOPA-ROCA steht für Kooperative der Handarbeit und Schneiderei der Favela Rocinha in Rio de Janeiro. Die COOPA-ROCA entstand 1982 aus einem Experiment mit recycelten Materialien in einer Werkstatt für Spielzeug für die Kinder der Favelagemeinschaft. Gleichzeitig wurde sie aus einer Idee der Frauen der Nachbarschaft, Handarbeitsprodukte aus wieder verwendeten Textilien zu entwickeln und zu vertreiben, geboren. Waren es damals hauptsächlich Dekorationsgegenstände, so entstehen heute ganze Kollektionen, die international präsentiert werden. Von Anfang an wurde die Arbeit von der Soziologin und Kunstausbilderin Maria Teresa Leal koordiniert.

Bei dem Projekt ‚Kultur der Favela‘, vor zwei Jahren von Klaus Vetter – damals Leiter des Goethe-Institutes Rio - ins Leben gerufen, wurden Künstler eingeladen, bei bestehenden Kulturprojekten in Favelas mitzuarbeiten. Hermann Hiller verbrachte 2001 vier Wochen mit der COOPA-ROCA. Es entstand der Beitrag zur Ausstellung RETalhar, die 2002 in Sao Paulo und Rio de Janeiro präsentiert wurde. Für die ErsatzStadt entsteht eine eigenständige Produktion, die die Arbeiten und das Arbeitsumfeld der Näherinnen der COOPA-ROCA in Rocinha in Berlin zeigt. Produktionsmethoden und Bedingungen der Handarbeit im Textilbereich in den informellen Umständen der ‚Ersatzstadt Favela’ ist das Thema.

In dem Workshop in der Kostümwerkstatt der Volksbühne geht es um einen Austausch der verschiedenen Handarbeitstechniken/Schnitttechniken mit den Näherinnen aus Brasilien und die Produktion von Arbeiten für die Performance an der Volksbühne im Prater. Hier werden die Ergebnisse des Workshops präsentiert und nach dem Wunsch der Besucher live geschnitten, geschneidert, produziert. Es entsteht eine ‚Bastelstraße‘, in der man bei der Produktion zuschauen und danach mit einem Stück Handwerk nach Hause gehen kann.

Mit Interviews, Bildern und Filmen wird Lebens- und Produktionsalltag der Näherinnen aus Rocinha in den Prater transportiert.

Biografie

ErsatzStadt ist ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und der Volksbühne in Berlin. Vorgestellt wird die beabsichtigte Kooperation mit der brasilianischen Textilkooperative COOPA ROCA. Sie entstand 1982 in der Favela Rochina in Rio de Janeiro und stellt Kleidung aus recycleten Textilien her. Darüber hinaus wurden bereits in Zusammenarbeit mit Künstlern eigene Kollektionen entwickelt. Der Architekt Hermann Hiller arbeitete vier Wochen mit COOPA ROCA und bereitet nun mit Stephan Lanz von ErsatzStadt eine mehrtägige Ausstellung und Performance der Kooperative an der Volksbühne in Berlin vor.

Stephan Lanz (1963) studierte Geografie, Stadtplanung und Soziologie. Er arbeitet als Stadtsoziologe am Institut für Kulturwissenschaften der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Neben seiner publizistischen Arbeit (Space//Troubles, Hg. mit Jochem Becker, Berlin 2003; Metropolen, Hg. mit Jochem Becker, Hamburg 2001; u.a.) ist er an Ausstellungen und Aktionen zum Thema Stadt in der Neuen Gesellschaft für Bildende Künste und an der Volksbühne Berlin beteiligt.

Hermann Hiller (1963), studierte Architektur und Bildhauerei. 1999 bekam er den Förderpreis für Architektur der Stadt München. Nach seiner Ausstellung “Helden haben kein Gepäck” in der Architekturgalerie München arbeitet er 2001 über “Die Kultur der Favela” in Rio de Janeiro. Seit 1998 lehrt er an der Kunstakademie in München, 2001 hatte er zudem einen Lehrauftrag an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau.

     
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