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Spanische
Stadtplanung ermittelt Lücken im städtischen Raum und definiert
exakt, was diese Lücken sind: Abmessungen, Materialien, Positionen
aber sie definieren keinen Zweck, denn eine Lücke ist ein
Ort zum Schuttabladen, oder nicht? Die Entwürfe dafür gehen
dann in ganz unterschiedliche Richtungen, denn die Leute bezahlen die
Verwaltung für eine Genehmigung und machen anschließend mit
der Lücke, was sie wollen oder brauchen: eine städtische Reserve,
ein Ort zum Atmen, einen Treffpunkt, einen Spielplatz, eine Baumpflanzung
Wenn man die Fassade des Gebäudes, das man nutzen will, streichen
muss, bekommt man die Genehmigung zum Aufbau eines Gerüstes.
Diese Notwendigkeit kann man immer schaffen, indem man ein augenfälliges
Graffitti darauf sprüht. Dann errichtet man sein Gerüst und
baut sich seinen neuen Ort, sein eigenes, privates Refugium, seine Architektur
der Stille, je nachdem, für welche Materialien, welchen Stil und
welche Abmessungen man sich entscheidet. Die Dauer hängt von einem
selbst ab, da die Architektur der Stille provisorisch und variabel sein
sollte. Dies sind Konditionen, die die andere (reguläre) Architektur
nicht hat. Ähnliche Gesetzeslücken oder städtische
Verordnungen können wir heranziehen, um zum einen die Verwaltung
an ihre eigene Unfähigkeit, mit unterschiedlichen Realitäten
klarzukommen, zu erinnern, und zum anderen die Fähigkeiten der Menschen
und die Notwendigkeit zu zeigen, am städtischen Leben
und Treiben mitzuwirken.
URBAN
PRESCRIPTIONS
Strategien subversiver Besetzung
Alle Realitäten manifestieren sich selbst mit einer Fülle
variabler Faktoren. Wenn ich über urbane Phänomene reden möchte,
sollte ich dies in Worten der Komplexität und Unterscheidung tun.
Der Weg, den wir beschreiten müssen, um sie zu begreifen, darf nicht
einfach die Praxis der konventionellen Städteplanung kopieren, da
die miteinander agierenden unsichtbaren und mutierten Strukturen im urbanen
Stadtraum ein zu komplexes Gewebe ergeben. Wir bekommen den Eindruck,
dass die verschiedenen Stufen der Komplexität wachsen und wieder
sterben. Das Produktionssystem und die politischen und ökonomischen
Variablen und Mechanismen, die in der Architektur vorherrschen, machen
die Idee einer geschlossenen globalen Planung undenkbar.
Die Geschwindigkeit, in der Veränderungen im urbanen Raum stattfinden,
bringt spezifische Orte und bestimmte Epochen zum Vorschein. Das Design
und die Konstruktion von Raum erfordern ständig sich regenerierende
Mechanismen, die auf die bestimmten Faktoren der unterschiedlichen Orte
und ihre Interaktionen mit globalen Veränderungen und Systemen reagieren.
Für Institutionen ist die Idee von globalen Prozessen ein Versuch,
alle möglichen Verhaltensformen und Handlungen zu vereinfachen und
zu kontrollieren. Mein Vorschlag besteht aus einem sich ständig neu
definierenden globalen System (urbane Planungen und Gesetzgebung), das
nach möglichen Gesetzeslücken und Unwägbarkeiten sucht,
die unterschiedlichsten Menschengruppen Handlungsfreiheit verschaffen.
Biografie
Santiago Cirugeda, geboren 1971, entwickelt architektonische Projekte,
ist journalistisch tätig und arbeitet in verschiedenen universitären
und kulturellen Bereichen (Meisterklassen, Seminare, Konferenzen, Workshops,
Ausstellungen, Debatten etc.). Derzeit ist er mit der Planung eines Zentrums
für Kultur und visuelle Kunst in Sevilla beschäftigt. Weiterhin
beteiligt er sich an Forschungsprojekten über Notfallarchitektur,
die in Foren wie dem Barraca BCN (eine Winterfabrik der ETSA in Alicante)
entwickelt werden. Gelegentlich ist er als Dozent in der Javeriana Schule
in Bogotá tätig.
Seit neun Jahren entwickelt Santiago Cirugeda subversive Projekte im Stadtraum.
Sie helfen ihm, das komplizierte soziale Leben um ihn herum zu ertragen.
Von der systematischen Okkupation des öffentlichen Raums mit Containern
bis zur Konstruktion von Prothesen für Fassaden, Patios und Dächer
handelt er legale und illegale Zonen aus und erinnert uns so an die permanente
Kontrolle, der wir alle unterliegen. Auf der letzten Biennale in Venedig
zeigte er kritisch sozio-kulturelle Diskrepanzen, die interventionistische
Projekte in abgelegenen Gebieten fördern. Diese Projekte bewegen
sich zwischen Fragen der Selbstorganisation, Instabilität und unbedarfter
Frivolität
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