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Das
Programm befasst sich mit der Stadt Caracas als Forschungsobjekt. Ziel
ist es, die Stadt als ein Modell für die momentane kritische Situation
zu verstehen, in der sich auch andere lateinamerikanische Städte
befinden. In diesem interdisziplinären Projekt wird der Caracas Urban
Think Tank durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Am Anfang
dieser Initiative steht die Annerkennung der überwältigenden
Präsenz und Entwicklung der sogenannten "informellen Stadt",
die heute in lateinamerikanischen Metropolen in Erscheinung tritt. Diese
Effekte treten verstärkt im Zusammenhang mit ökonomischen Krisen
auf und gewinnen eine enorme Kraft, so dass selbst Teile der formalen
Stadt in den Sog hineingeraten und vereinnahmt werden.
CARACAS ALS UNTERSUCHUNGSOBJEKT
In den informellen kulturellen Prozessen und Mustern in Caracas finden
sich deutliche Hinweise auf ihren wahren urbanen Charakter. Sie können
wirklich die Wahrnehmung von von Vergangenheit und Zukunft dieser Stadt
in ihrer historischen evolutionären Entwicklung verändern. Lange
Zeit war der informelle Sektor von Caracas wie blind, es gab eine ausradierte
Vergangenheit und keine Projektionen in die Zukunft. Aus dieser Situation
heraus ist er nicht in der Lage, seine Gegenwart zu definieren und befindet
sich so in einem konstanten Zustand der Veränderung ohne Voraussicht
oder Planung. Neue Strategien müssen aus dem gewaltigen Fundus des
Informellen generiert werden, um eine Vergleichsmöglichkeit zu anderen
Städten zu schaffen, die hiervon profitieren könnten. Während
de Stadt wächst, zerstört sie ihre traditionelle Organisationsstruktur
und verwandelt sich selbst inmitten von informellen Interventionen. Die
Tatsache, dass diese improvisierte Energie weiter wächst, als wirkliche
Repräsentation der urbanen Kultur, ist der Beweis für einen
Paradigmenwechsel, konfrontiert uns mit dem Auftauchen neuer Werte und
neuer Sprachen.
INFORMELL VS. FORMELL
Das Projekt versucht, weiter zu gehen als die vereinfachende Vorstellung,
die Stadt bestünde aus informellen und formellen Bereichen. Vielmehr
versteht es die dynamischen Prozesse als Teil eines Ganzen: Das Formelle
wird unformalisiert, das Informelle formalisiert. Komplexe Wechselwirkungen
in einer ausdifferenzierten Kultur, eine Kultur die von Illegalität,
Anonymität, Improvisation, Invasion und anderen Aspekten bestimmt
wird, die es noch zu untersuchen gilt. In diesem Sinne birgt diese Einstellung
eine Definition des Informellen als globales Phänomen, eine kulturelle
Eigenschaft, die mehr ist als ein materieller Zustand. Trotzdem werden
in dieser Vision die Bereiche und Umgebungen ausgesondert, in denen das
Informelle besonders stark konzentriert und sichtbar auftritt, um so die
Prozesse interpretieren zu können.
In der Annerkennung der Arbeit der lokalen Akteure und ihrer Realität
liegt die entscheidende Herausforderung dieses Projekts. Sie werden mit
unseren internationalen Teilnehmern involviert, was zu einer einzigartigen
Gelegenheit des Austauschs führt. Dies wird definitiv der Stadt zugute
kommen.
Biografie
Der 1993 gegründete Caracas Urban Think Tank ist eine unabhängige,
gemeinnützige Organisation, zusammengesetzt aus einem multidisziplinären
Team, das an urbanen Projekten arbeitet. Er versucht, auf der praktischen
wie theoretischen Ebene zu der Anwendung von Architektur und Stadtplanung
beizutragen, mit besonderem Fokus auf die Stadt Caracas. Seit 1995 sind
die Hauptdirektoren Alfredo Brillembourg und Hubert Klumpner.

Alfredo Brillembourg ist Mitglied in der Vereinigung der Architekten und
Ingenieure in Venezuela. 1962 wurde er in New York geboren. Er erhielt
den Bachelor of Art and Architecture (1984) und den Master of Science
in Architectural Design (1986) an der Columbia University, New York. Brillemborg
hatte eine Gastprofessur an der Universität José María
Vargas und später an der Universität Simon Bolivar in Caracas.
Seit 1995 ist er Gastprofessor an der Universidad Central de Venezuela.

Hubert Klumpner, Mitglied der Deutschen Architektenkammer, wurde 1965
in Salzburg geboren. Er erhielt ein Diplom an der Akademie für Angewandte
Kunst in Wien (1993) und einen Master in Architektur und Urbanem Design
von der Columbia University in New York (1995). Seit 2001 hat er eine
Gastprofessur an der Universidad Central de Venezuela. Unter anderem wurde
Hubert Klumpner mit dem Preis des Nationalen Olympischen Komitees in Rom,
der Stadt Wien und dem Rudolf Schindler Award ausgezeichnet.
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