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Claudia Basrawi
Psychogeografical Mural
von Claudia Basrawi und Florian Braun
http://www.lauramars.de/gruppe-m

teilnehmer

Mitte des 19ten Jahrhunderts geht Gustav Fechner, Begründer der Psycho-Physik, von der Gewissheit aus, dass Geist und Materie miteinander verbunden und lediglich zwei verschiedene Methoden seien, die Wirklichkeit zu konstruieren und zu erfahren. Fechner, der durch seine Nachbildexperimente gelernt hatte, dass die Wahrnehmung immer ein zeitlicher Prozess ist, und Sinneseindrücke stets von der vorhergehenden Reizfolge abhängen, versucht in jahrelanger Arbeit, eine Methode zu finden, mit der sich die Beziehungen zwischen einer inneren Sinneserfahrung und einem äußeren Geschehen exakt erfassen, bestimmen und darstellen lassen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass ein gerade noch empfundener Reizzuwachs zu dem Ausgangsreiz in konstantem Verhältnis steht. Beispiel: Wenn die Zunahme der Beleuchtungsstärke von 10 auf 12 Kerzen gerade noch wahrgenommen wird, dann sind bei 10 Kerzen 2 zusätzliche Kerzen notwendig, bei 20 Kerzen 4 weitere, bei 30 Kerzen 6 weitere usw. Fechner nahm also an, dass die Empfindungsstärken in arithmetischer Reihe wachsen, wenn die zugeordneten Reize in geometrischer Reihe zunehmen.

Im Jahre 2002 macht Claudia Basrawi auf der Jamaica Avenue in Queens einen psychogeografischen Versuch nach dem Vorbild der Pariser Situationisten, die sich der Methode des "Umherschweifens" bedienten, um die Wirkung der Umwelt auf die Psyche des Menschen zu untersuchen. Auch hier ging es um das betrachtende Subjekt und Darstellungsmodi der wahrgenommenen Sinneseindrücke.

Im Jahre 2003 kommt es zu einer erneuten Auswertung dieses psychogeographischen Experiments. In Zusammenarbeit mit Florian Braun werden Psycho-Physik und Psychogeographie miteinander verbunden. Das Ergebnis ist eine "psychogeografical mural".

Psychogeographie - eine kurze Einführung
Guy Debord, Mitbegründer der Situationistischen Internationale, stellte sich bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Frage, wie eine Wissenschaft aussehen müsste, die sich die Untersuchung der Wirkung der Geographie auf die Psyche des Menschen zur Aufgabe gemacht hätte. Könnte man zum Beispiel feststellen, ob die Wüste eine monotheistische Neigung hervorbringt, und Paris die Menschen eher zum Atheismus verführt? Der daraus resultierende Begriff Psychogeographie entlehnte er DeQuinceys "Streifzügen" (Bekenntnisse eines Opiumessers). Die Situationisten beschrieben mit dem Begriff Psychogeographie einen bewussten Zustand.

Biografie

Claudia Basrawi, geboren 1962 in Beirut, arbeitet als Orientalistin, Politikwissenschaftlerin, Autorin, Drehbuchautorin, Übersetzerin und Fotografin in Berlin. Als ehemaliges Mitglied des in Berlin und Hamburg angesiedelten interdisziplinären Künstlerkollektivs “Gruppe M”, veranstaltete sie psychogeografische Experimente, Performances und Vorträge zur Stadterfahrung. Sie schrieb auch Drehbücher, unter anderem für den Themenpark “Connected Intelligence” auf der EXPO 2000 im Auftrag des ZKM. Zuletzt übersetzte sie die Bücher “Voodoo Stew” I und II des amerikanischen Schriftstellers Darius James. Ihre Kurzgeschichten über den nahen Osten erschienen im Herbst.

Florian Braun, geboren 1969, hat ein Studium der Visuellen Kommunikation an der UdK Berlin absolviert und arbeitet als Seismograph. Er lebt und arbeitet seit 1975 in Berlin.

     
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