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trendwende
Francesca Ferguson kuratiert "Transformers"

Francesca Ferguson veranstaltet seit dem Jahr 2000 das Architekturfestival Urban Drift, da jetzt unter dem Titel Transformers als dreiteilige Ausstellungsreihe im Bikinihaus stattfindet. Die aktuelle Gruppenausstellung UFO Belgrade, an der Künstler wie die Gruppe Skart, Architekturfachleute wie Ivan Kucina und Kuratoren wie Stevan Vucovic teilnehmen, ist die zweite Folge. Ferguson, 1967 geboren, studierte Geschichte in Oxford und zog 1989 als Journalistin nach Berlin. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als Kuratorin. Jetzt wurde sie zur Generalkommissarin Deutschlands der Architektur-Biennale in Venedig berufen.

F: Frau Ferguson, Ufo Belgrade thematisiert das heutige Belgrad mit seinen temporären, inoffiziellen Architekturen und Ökonomien. Im Westen soll beides als Modell für eine Stadtgestaltung dienen, die mit dem neoliberalen Strukturwandel noch bevorzustehen scheint. Ist dieser Transfer für Sie ein Problem?
A: Die Idealisierung informeller Architekturen kann einerseits als Zweckoptimismus gesehen werden - als eine Liebe zum anarchisch Ungeplanten, die alles andere ist als die deutsche Liebe zu Ordnung, Struktur und Masterplan. Andererseits setzt der Blick auf ungeplante, hybride Architektur Ressourcen für architektonische Formen frei. Dieser Ansatz von "Dirty Realism" hat mich persönlich immer sehr interessiert. Im Fall von UFO Belgrade sind es jedoch gerade nicht-westliche, sondern Belgrader Kuratoren, die die Identitätskrise ihrer Stadt und den Blick des Westens auf die vermeintliche Exotik reflektieren.

F: Sie sind gerade zur Generalkommissarin Deutschlands für die Architektur-Biennale berufen worden. Wird Urban Drift 2004 also in Venedig stattfinden?
A: Nein, auf keinen Fall. In meinem Konzept habe ich meine kuratorische Praxis der letzten Jahre zu Themenw ie Brachen, Umbau, Rückbau oder hybride Architekturen mit den Erfahrungen aus den letzten Urban Drift-Festivals gebündelt. Es wird in Venedig einen kollektiven Beitrag mit Anspielungen auf deutsche Romantik, Stadtlandschaften und ihre Metamorphosen sowie "Dirty Realism" geben, mit vielen bereits verwirklichten Architekturprojekten und prozesshaften Aktionen. Vor allem soll es ein kommunikativer Ort werden. An ihm soll es um rezessionsbedingte, grundlegende Veränderungen der vor allem jungen Szene in Deutschland gehen und um die Rolle des Architekten und Planers in der gegenwärtigen Situation.

F: Als Urban Drift noch Teil des Medienfestivals Berlin Beta war, warfen Kritiker Ihnen vor, Urbanismus zu nah an der New Economy zu diskutieren. Was ist von der alten Programmatik geblieben, und wie geht es mit Urban Drift weiter?
A: Die Auseinandersetzung mit neuen Technologien und Software hat weiterhin ihre Relevanz. Es kann auch weiterhin funktionieren, Architekturdebatten in einem solchen Rahmen zu platzieren. Tatsächlich hat das Festival vielen jungen Labels ein Profil gegeben. Natürlich habe ich gemerkt, dass die "Blob-Architektur" ...
F: ... also sichtbar computergenerierte Architektur ...
A: ... dass die irgendwann nicht mehr interessant war. Beim diesjährigen Urban Drift haben wir die Euphorie ja auch hinterfragt und mit aktuellen Problemen wie der Stadtschrumpfung verbunden. Mit der Ausstellungsreihe Transformers als diesjährigem Urban Drift möchte ich nun auch den Austausch mit europäischen Städten und außereuropäischen wie Caracas ermöglichen.

F: Sie kommen vom Journalismus, haben als Kuratorin in der Kunst gearbeitet und sich dann Architektur und Urbanismus zugewandt. Warum?
A: In der Kunstszene fand ich mich auf die Dauer nicht richtig wieder. Gleichzeitig haben mich die rasanten baulichen Veränderungen Berlins immer mehr interessiert, auch die Besetzung temporärer Räume und deren Verwandlung. Dieses Interesse ergänzte sich mit meinem journalistischen Background. Die Auseinandersetzung mit öffentlichem Raum und temporären Architekturen finde ich sehr zeitgemäß. Es geht mir um die Realitätsnähe, darum, praxisorientierter mit unterschiedlichen Disziplinen im Austausch zu arbeiten.

F: Architektur und Urbanismus sind in den letzten Jahren wichtige Themen in der Berliner Kunst geworden. Die reale Stadtplanung verhält sich entgegengesetzt zu vielen dieser Vorschläge. Warum möchten Sie den Diskurs trotzdem weiterführen?
A: Unter dem Druck der Rezession überdenken junge Architekten und Planer ihre Rolle. Gleichzeitig freuen sich in den Städten und Gemeinden vor allem Ostdeutschlands Bürgermeister und Vertreter der Ämter darüber, den desolaten urbanen Zustand mit der jungen Generation von Planern und Architekten zu diskutieren und andere, auch nachhaltige Lösungen für die Umgestaltung von Stadtlandschaften zu finden. Partizipatorische, künstlerische Ansätze kommen da zum Tragen - ich denke zum Beispiel an das Projekt "Hotel Neustadt" in Halle-Neustadt, wo ein leerer Plattenbau vorübergehend in ein Hotel umgewandelt wurde. So etwas war vor acht oder neun Jahren unvorstellbar.

F: Doch gerade in Berlin ist der Regierende Bürgermeister eher beim Richtfest des Beisheim-Centers am Potsdamer Platz zugegen als bei einer Architekturinstallation am Rosa-Luxemburg-Platz.
A: Ja, das ist hier anders als in Leipzig, Halle oder Chemnitz. Berlin bleibt in diesem Sinn leider eine Ausnahme.

Martin Conrads / Zitty - Kunst, Heft 24/03

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Turbo-Häuser

"Urban Drift" ist das Motto, unter dem die von den Pariser "Situationisten" um Guy Debord inspirierte Kuratorin Francesca Ferguson schon seit einigen Jahren Städte im Wandel untersucht. Inzwischen finden in der Hauptstadt beinahe wöchentlich Konferenzen zum Thema statt, doch Ferguson ist immer einen Schritt voraus, das zeigt schon der Ort ihrer aktuellen Ausstellung namens Transformers (bis zum 23. November). Sie ist im sogenannten Bikini-Haus zu sehen, einem typischen Fünfziger-Jahre-Bau im Herzen der Berliner City West, einem heftig umkämpften Stadtraum, den sich Intensiv-Shopper, Touristen, Stadtbürger, Polizisten und Junkies teilen - und der demnächst aufgewertet und verwandelt werden soll. Die Stadt in Bewegung, draußen genauso wie in der Ausstellung wo die Installation Urban Fog of Belgrade zu sehen ist. Elf Autoren, Künstler und Architektenteams wollen mit multimedialen Installationen, Modellen, Fotografien und Texten diesen Stadtnebel lichten und vernetzen dafür Gesellschaft, Kultur und Politik. Branislav Dimitrijevic beschreibt, wie die Musiksubkultur des serbischen "Turbo-Folk" nationalistisch aufgeladen wurde; die Normal Group untersucht die "Turbo-Architektur" der lokalen Nachkriegsära; und Bas Princen dokumentiert fotografisch die hybriden Ergebnisse, die im Eigenheimbau die Ästhetik amerikanischer Vororte nachahmen. Anders als in der Berliner Szene üblich, wird hier nicht erneut eine Krisenregion zur Projektionsfläche für die Krise der Berliner Post-Dotcom-Boheme, dafür sorgt schon Mihael Milunovic: "Alles wird für mich zur Allegorie", behaupten seine kunterbunten Aufnahmen vom Flohmarkt und dementieren es in ihrer schäbigen Beliebigkeit gleich wieder. Weitere Arbeiten in der Transformers-Ausstellung widmen sich den vielen Leerstellen in der öffentlichen Diskussion sowie der Belgrader Modepraxis einer urbanen Style-Guerilla, die sich mit schicker Tarnkleidung sichtbar macht. Angesichts der aktuellen Berliner Architekturmoden hingegen absolut geschmackssicher ist die jüngst getroffene Entscheidung, dass Francesca Ferguson im kommenden Jahr den deutschen Beitrag der Architektur-Biennale in Venedig gestalten wird. Motto natürlich: "Metamorphosen".
Gunnar Luetzow / Die Zeit - Feuilleton, 13.11.03 top


Raumpiraten
Eine Ausstellung und eine Vortragsreihe zur informellen Architektur


Wenn beim Städtebau der Staat als Hüter öffentlicher Belange versagt, bleibt das selbstorganisierte Engagement: die eigenmächtige Aneignung von Raum. "Pirated spaces - informal architecture" nannte die Gruppe "Urban Drift" ihre jüngste Ausstellung und Vortragsreihe, die sich mit solchen Prozessen befaßt. Nach der Konferenz letztes Jahr, die im Café Moskau stattfand, hat es sich Urban Drift fernab der Ostberliner Architektur-Avantgarde gemütlich gemacht: im Bikini-Haus am Zoo, einem gediegenen Fünfziger-Jahre-Bau, dessen Büroräume naturgemäß leerstehen.

Eingeladen war "Transformers", eine Gruppe von Künstlern, Architekten und Publizisten, die dem Ende der staatlichen Stadtplanung etwas Positives abgewinnen wollen. Einige belanglose Designereien wurden vorgestellt, aber auch ernsthafte Projekte eines informellen, ja subversiven Städtebaus. Am 17. Oktober gab es Vorträge zu den Slums Lateinamerikas. Mit dem Thema verbinden sich große Namen; Rem Koolhaas etwa pflegt in seinen Bestsellern die Slums der Dritten Welt effektvoll zu ästhetisieren.

Der mexikanische Videokünstler und Performer Pablo Leon de la Barra, der mit seinem VW-Bus als "mobiler Galerie" durch die Städte Mexikos fährt, lehnt solchen "westlichen Romantizismus" ab. Auf Puerto Rico verschaffte er einem Armenviertel eine Art Heimatmuseum: Nach und nach füllten es die Nachbarn mit ihren wertvollsten Habseligkeiten: alte Spielzeuge, Familienfotos, ikonenhafte Porträts eines lokalen Sportmäzens, der als Kokain-Großhändler von der Polizei erschossen wurde. In Athen baute de la Barra mit Albanern einen verschrotteten Pick Up in eine fahrende Konzertbühne um. Und in Sevilla wollte er mit rumänischen Zigeunern einen Ausstellungspavillon errichten, mitten im geleckten Kunstforum, das ihm die Stadt zur Verfügung gestellt hatte. Als diese die nahegelegene Zigeunersiedlung räumen ließ und so de la Barras Mitarbeiter verschwanden, baute er selbst, die Reste des verlassenen Dorfs als Baumaterial nutzend. Ob so etwas politischer Protest, Kunst, Pop oder eher nur Provokation ist, wird nicht erklärt: "Politisch sein muß gut aussehen", schreibt de la Barra lapidar.

Alfredo Brillembourg und Hubert Klumpner vom "Caracas Urban Think Tank" beschäftigen sich mit Petare, einem der größten Slums Südamerikas. Sie stellen den 89jährigen Horacio Genaro González vor, der vor Jahrzehnten die ersten Terrassierungen und Baustellen organisierte und zu Unrecht vollkommen unbekannt ist - schließlich macht ihn die Gründung Petares, das inzwischen über 500000 Bewohner faßt, zum "größten Stadtentwickler Südamerikas". Brillembourg und Klumpner analysierten die preisgünstigen und flexiblen Strukturen Petares und wagten auch den direkten Vergleich mit den Betonriegeln der Nachbarviertel: "Was ist formell, was ist informell?" Während das Slum auf einer effizienten Raum- und Rechtsorganisation zu beruhen scheint, verursachte der zentral organisierte Massenwohnungsbau zahlreiche Korruptionsskandale, ist im Bau teuer und in der Planung viel zu schwerfällig für das rasche Bevölkerungswachstum. Allerdings fand Caracas auch für dieses Problem eine Lösung: Die Betonsiedlung 23 de Enero etwa wurde noch vor Fertigstellung von rund 70000 Armen kurzerhand besetzt.

Inwieweit - oder vielmehr: in wie naher Zukunft - solche Verhältnisse auf Europa übertragbar sind, blieb offen. Nur die Künstlerin Marjetica Potrc aus Slowenien zeigte einige Bilder aus Südosteuropa, wo bereits die ersten Slums entstehen. Vielleicht erfährt man davon demnächst mehr: Vom 7. bis 23. November zeigen Transformers/Urban Drift die Ausstellung und Veranstaltungsreihe "Ufo Belgrad".
Johannes Touché aus Scheinschlag 09/03 top


Krise in Belgrad

Urban drift nennt sich das "unabhängige internationale Netzwerk für zeitgenössische urbane Praxis", das die Britin Francesca Ferguson ins Leben gerufen hat. Ziel ist der multinationale Austausch und die interkulturelle Zusammenarbeit von jungen Architekten, Stadtplanern, Designern und Künstlern ohne die Zwänge institutioneller Strukturen. In Erinnerung ist das letztjährige Symposium "From Formalism to Flux" (die Geschäftssprache ist konsequent Englisch) im Café Moskau. Inzwischen ist urban drift ins Bikinihaus am Breitscheidplatz umgezogen und präsentiert als neue Produktion die Ausstellung UFO Belgrad (Budapester Straße 48, bis 23. November; Mo-Sa 14-19, So 14-17 Uhr). Auch hier wird der interdisziplinäre Ansatz verfolgt, indem sich Künstler, Architekten und Schriftsteller mit den widersprüchlichen Realitäten Belgrads auseinander setzen, mit den Traditionen und den globalen Einflüssen und den daraus erwachsenden Veränderungen. Zu sehen sind Grafiken, Fotoarbeiten und Kunst- und Videoinstallationen, die sich mit der Stadt in einer Identitätskrise befassen, in der während der letzten sieben Jahre 15000 Gebäude ohne stadtplanerische Grundlage entstanden sind.

Francesca Ferguson wurde jetzt von einer Findungskommission unter Vorsitz von Kristin Feireiss zur Generalkommissarin für den deutschen Pavillon bei der Architekturbiennale Venedig 2004 berufen, als Nachfolgerin von Hilde Léon (Berlin). Sie überzeugte mit ihrem Ansatz, junge deutsche Architekten und Planer im Umgang mit hybriden Stadtstrukturen zu zeigen.
Falk Jaeger / Der Tagesspiegel - Architektur/Kultur Samstag, 08.11.03 top


Berlin, Urban Drift

"Shift in focus" - das dieses Jahr zum vierten Mal stattfindende Treffen von Architekten, Künstlern und Aktivisten, die sich der Entwicklung der städtischen Räume jenseits von Developerkonzepten widmen, findet nicht in einer angesagten Location in Friedrichshain-Kreuzberg statt - urban drift 2003 ist in Berlins City West gezogen. Auch der Zeitpunkt des Treffens hat sich verändert: Im Bikinihaus am Breitscheidplatz (Foto von 1957 von der Einladungskarte) haben die Organisatoren einen Raum gemietet, wo bis Dezember "Transformers" stattfinden wird, eine dreiteilige Ausstellungsreihe mit begleitenden Vorträgen. Die erste Veranstaltung war dem Thema "pirated spaces - informal architecture" gewidmet. Kenny Cupers und Markus Miessen etwa zeigten in Videos ihre Sicht auf die öffentlichen Räume von Berlin, Brüssel und Paris. Deadline Architects sprachen über ihre Rolle als Projektentwickler und Bauherren für ein im Rohbau befindliches Kurzmietwohnhaus, und die Berliner Architektengruppe Speeed Investor lud die Gäste des Abends kurzerhand in einen Reisebus und karrte sie auf das Grundstück, für welches sie derzeit ein Nutzungskonzept erarbeiten.

Urban drift wurde zu Anfang wegen seiner Ziellosigkeit kritisiert. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, dass die Kuratorin Francesca Ferguson ein Gespür hat für Projekte, die in der Folgezeit von starkem Medieninteresse begleitet werden, wie Eyel Weizmanns Viadukt in Israel (Heft 36/01, 25/03) oder die Zwischennutzung des Palasts der Republik (43-44/02, 7/03). Schon allein deshalb lohnt der Besuch bei den jungen urbanen Abenteuerern.
fm Bauwelt, 41/2003 top


Drift West

Following the success of the 2002 conference at Cafe Moskau last summer, Berlin’s independent „international platform for architecture and urbanism“ Urban Drift has decided to drift a little itself and take up permanent residence in the 1950s „Bikinihaus“ at Bahnhof Zoo. From September, a combination of project and exhibition space (plus its own bar) will form the basis for „Transformers“. Here an international collection of artists, architects, writers and filmmakers will „present and critique strategies and designs that transform perceptions of urban space and shed new light on existing urban conditions.“ This may sound a little heavy going but judging by Urban Drift’s record of presenting cutting-edge architectural concepts in an alternative clubby atmosphere, it’s bound to be well-attended venue.
Qvest, autumn 2003 top


Wochenübersicht Kunst
Harald Fricke schaut sich in den Galerien von Berlin um

Keine Architektur ohne Event. Ständig werden Berliner Bauikonen mit Ausstellungen zum Urbanismus bestückt – dann hängen in einer seltsamen Doppelung des Ambientes architekturkritische Exponate zwischen hippen Ost-Dekos der 70er-Jahre. Dass es auch im Westen historisch kontaminierte Gebäude gibt, sieht man in der Budapester Straße: Das Bikini-Haus wurde in den Fifties als Schaufenster der Mauerstadtmoderne errichtet, mit Blick auf den Zoologischen Garten und in Fußnähe zum Amerika-Haus. Heute ist der mehrgeschossige Riegel bis auf ein paar Ramschläden verwaist, weil die dort untergebrachte Kunsthalle schließen musste und die Berlinale an den Potsdamer Platz gezogen ist.

Was also tun im Leerstand? In Anlehnung an ihren „urbandrift“-Kongress letztes Jahr hat Francesca Ferguson im Bikini-Haus „Pirated Spaces – Informal Architecture“ organisiert. Es geht um die Wahrnehmung und Aneignung städtischen Raums, was zu allerlei situationistischen Projekten geführt hat: Von Benjamin Foerster-Baldenius gibt es das schrankwandartige Modul „Hotel Neustadt“, mit dem er die Zwischennutzung für eine zum Abriss freigegebene Plattenbausiedlung in Halle dokumentiert. Pablo Leon de la Barra projeziert Dias, auf denen man sieht, wie der Stadtraum von Mexiko City zum Dschungel aus Beton verwuchert. Claudia Basrawi ist in Brooklyn mit dem Fotoapparat unterwegs gewesen, um eine Psychogeografie des New Yorker Stadtteils herzustellen. Die Architekten Kenny Cupers und Markus Miessen kümmern sich mit Videoinstallationen um schwer definierbare Räume in Berlin, London und Brüssel. Der Mix schmiegt sich zwar oft der Faszination für urbane Kaputtheitsästhetik an, zeigt aber auch, wo der Metropolenkult endet: in der Auflösung urbaner Räume, als Brachfläche der Ökonomie.
Harald Fricke,die tageszeitung, 15. Oktober 2003 top


Zum Aus- und Einklappen: Wohnlandschaft mit Teeküche
Die kreative Urbanistenszene präsentiert Ideen für die Großstadt

Bietet mit subversivem Charme Lösungen für einen kleinen Planeten: Die „Transformers“-Ausstellung im Bikini-Haus

... Ebenfalls ein gutes Beispiel für den ständigen Fluss, in dem sich Architektur und Gesellschaft befinden, ist der Ort, an dem Berliner Kuratorin Francesca Ferguson („Urban Drift“) die Ausstellung „Transformers“ entwickelt und realisiert hat: Das „Bikini-Haus“ an der Budapester Straße. Einerseits soziale Problemzone, andererseits Shopping-Zentrum – dessen Charme jetzt von jungen Architekten entdeckt wird.

Hier geht es auf den ersten Blick weniger direkt politisch zu als in Kreuzberg. Auch ist dem von Studenten der TU Cottbus entwickelten Kubus, der sich beim Ausklappen als dekonstruktivistische Wohnlandschaft mit Teeküche, Bewegungsmelder und Mediathek entpuppt, ein Platz in einem Mitte-Luxus-Loft sicher. Doch auch „Transformers“ zeigt an Beispielen in Halle-Neustadt, London, Berlin, Brüssel, Athen, Mexico City und Sevilla mit subversivem Charme Lösungen für einen kleinen Planeten. Und stellt die richtigen Fragen: „Welche Dinge würden Sie sich vom Nachbarn borgen?, Welches Gebäude hat Ihr Leben maßgeblich beeinflusst? Welche Strategien finden Sie angebracht, um Platz in Ihrer Büroumgebung zu okkupieren?“ Dass Berlin allerdings weiterhin ein derart offener Ort bleibt, um in der derzeit gebotenen Vielfalt und Qualität theoretisch und praktisch nachzudenken, kann bezweifelt werden: Das von der EU geförderte Berliner TU-Projekt „Urban Catalyst“ hat nämlich inzwischen ebenfalls die Möglichkeiten entdeckt – und liefert unter dem Deckmantel der kreativen Zwischennutzung schnöde Fallstudien und Optimierungspläne.
Gunnar Luetzow, Berliner Morgenpost, Kultur, 17. Oktober 2003  

     
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